Es ist ein Brauch von Alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör.

Der Spruch von Wilhelm Busch spiegelt die oft im Alltag verbreitete Meinung, dass Alkohol bei depressiver Verstimmung helfen würde. Nicht selten greifen Menschen, die an einer Depression leiden, als Form der Selbstmedikation zu Alkohol, um ihre Stimmung aufzuhellen und die innere Anspannung abzubauen, unter der vor allem Stressgeplagte leiden.

Medizinische Studien beweisen, dass alkoholabhängige Menschen häufig auch unter Depressionen leiden. Nachgewiesen wurde auch, dass sich depressive Erkrankungen durch den Konsum von Alkohol sogar verschlimmern. Welches Problem zuerst entstand, Alkoholabhängigkeit oder Depression, ist sehr oft schwer herauszufinden. Eine anfänglich „positive“ Wirkung von Alkohol führt zu einer  Toleranzentwicklung, so dass die Betroffenen immer mehr Alkohol brauchen, um die gewünschte Wirkung (Angstlösung, Entspannung, Schlafverbesserung) zu erreichen. Das gewünschte „Glücksgefühl“ tritt nicht mehr ein und Alkoholabhängige werden immer unglücklicher und trinken weiter, um weniger unglücklich zu sein.

Eine chronische oder immer wiederkehrende Depression kann sowohl Ursache als auch Folge einer Suchterkrankung sein. Dadurch entsteht eine enorme Doppelbelastung, weil beide Erkrankungen sich gegenseitig ungünstig beeinflussen. Letztendlich führt dies zu einem Teufelskreis, den die Betroffenen nicht mehr eigenständig durchbrechen können.

Medikamentöse bzw. psychotherapeutische Behandlungen von Depressionen sind unter Voraussetzung eines durchgehenden Alkoholkonsums nicht möglich. Beide Erkrankungen – die Sucht und die Depression – müssen schon deshalb parallel behandelt werden, weil sie sich gegenseitig verstärken und das „doppelte Leiden“ zu einer zunehmenden Verschlechterung des körperlichen und seelischen Zustandes führt.